Smarthome Kabel oder Funk?

Die Auswahl auf ein Smarthome System sollte gut überlegt sein. Ein nachträglicher Wechsel ist meistens nur aufwendig und kostspielig möglich.

In diesem Beitrag berichte ich von meinen Erfahrungen, welche Entscheidungen wichtig sind und welche „Fehler“ ich gemacht habe und was ich das nächste mal anders machen würde.

Um sich für ein System zu entscheiden muss zuerst die Frage geklärt werden ob eine Kabellose Funktechnik oder eine fest verdrahtete Kabellösung zum Einsatz kommen soll.

Wo soll das Smarthome installiert werden?

Eine Lösung mit Funktechnik ist deutlich flexibler. Es kann gut nachträglich eingebaut werden oder auch an Stellen eingesetzt werden die nur schwer per Kabel erreicht werden können.

Welches System bietet einen höheren Sicherheitsstandard?

Ein Eingriff ist bei Kabelverbindungen von Dritten nur möglich, wenn dieser physischen Zugriff auf die Kabelleitungen erhält. Dies ist ein großer Vorteil der Kabel-Smarthomes.

Inzwischen bieten die meisten Funklösungen eine Verschlüsselung an, um die Datenverbindung vor unbefugten Zugriffen zu schützen. Ältere Systeme die keine Verschlüsselung der Datenübertragung unterstützen sollten nicht mehr eingesetzt werden. Da die eingesetzten Komponenten mehrere Jahre genutzt werden sollen ist immer ein gewisses Risiko vorhanden, das Sicherheitslücken entdeckt werden über die Aussenstehende in das System ungewollt eingreifen können.

Die Verschlüsselungstechnik wird allerdings auch permanent weiterentwickelt, ältere Schwachpunkte können in alter Hardware oft nicht behoben werden, da hierfür die verbaute Rechenleistung nicht mehr ausreicht. Es kann also sein das in ein paar Jahren die neuen Komponenten nicht mehr kompatibel zu den bisherigen sind oder irgendwer eine Sicherheitslücke entdeckt die unser Smarthome von einem Tag auf den anderen für jeden frei zugänglich macht.

Gibt es Unterschiede in der Stabilität?

Kabelgebundene Systeme sind grundsätzlich robuster und zuverlässiger als Funklösungen. Gestörte Funkverbindungen gibt es hier nicht. Funktioniert an einem sonnigen Tag der Funkaktor problemlos reagiert er an einem anderen vielleicht erst bei mehrmaligem Tasterdruck weil ein Funktelegram nicht korrekt übertragen wurde.

Ein großer Nachteil kann bei Funksystemen die Anzahl der möglichen Telegramme in einem Zeitraum sein. Hier gibt es auf manchen Frequenzbändern in den Sendern per Software eingebaute Limitierungen. Dies soll Kollisionen mit anderen Funksendern auf der gleichen Frequenz reduzieren. Ich hatte allerdings mal mehrere Heizungsthermostate die ich in einer Stunde mit einem einfachen Wochenprogramm programmieren wollte. Dies war nicht möglich, da immer sehr schnell das Telegramkontigent der Steuerzentrale voll war. Hier hilft dann nur warten.

Bei Kabeln können natürlich auch nicht unendlich viele Telegramme pro Sekunde gesendet werden, allerdings ist es hier möglich eine bessere Kollisionsvermeidung zu implementieren. Dadurch kann nahezu die volle Bandbreite der Kabelverbindung für Telegramme genutzt werden.

Sollte das Funksystem Batterien benötigen empfehle ich immer passenden Ersatz vorrätig zu haben. So kann auch am Wochenende die Batterie in einem Heizungsthermostat getauscht werden.

Wer soll die Installation ausführen?

Eine Kabellösung muss sehr gut geplant werden und ein Elektriker beauftragt werden, da z.B. die Aktoren direkt im Sicherungskasten oder in den Steckdosen mit eingebaut werden. Dies darf von nicht ausgebildeten Laien nicht durchgeführt werden.

Bei Funksystemen gibt es zusätzlich Aktoren die direkt in eine Steckdose gesteckt werden können. Hierfür ist kein Elektriker notwendig und häufig ist dies die einzige Möglichkeit nachträglich eine Steckdose schaltbar zu machen. Dies ist auch ohne Elektrokenntnisse durchführbar.

Wie unterscheiden sind die Kosten?

Funksysteme sind in der Erstanschaffung häufig günstiger als kabelgebundene Systeme. Dies liegt meine Einschätzung daran das diese in größeren Stückzahlen für den Massenmarkt gefertigt sind aber auch nicht auf eine so lange Lebensdauer ausgelegt sind.

Eine der teuersten Lösungen ist sicherlich das kabelgebundene KNX, allerdings hat sich dieses System seit über 30 Jahren bewährt. Es gibt über 300 Hersteller die dafür fertigen. Allerdings kostet schon alleine die Konfigurationssoftware je nach Anzahl der Geräte ca. 200-1000 Euro, die benötigt wird wenn nachträglich ohne den Elektriker Änderungen vorgenommen werden sollen.

Es gibt allerdings auch günstigere kabelgebundene Lösungen, die teilweise auch direkt ein Funksystem mit anbieten wie z.B. Homematic oder Eltako 14.

Für Funklösungen gibt es oft nur einen Hersteller oder zumindest deutlich weniger. Hier ist man also bei zukünftigen Erweiterungen abhängig von der Produktpflege. Dies kann die Kosten in die Höhe treiben wenn nach ein paar Jahren eine Erweiterung nicht mehr möglich ist und daher eine komplette Neuanschaffung notwendig wird.

Bei kabelgebundenen Lösungen sind noch die Kosten der zusätzlichen Verkabelung mit einzurechnen, bei Funksystemen teilweise Batterien / der höhere Stromverbrauch für die Funktelegramme aus dem Stromnetz.

Wie ist die Langzeitunterstützung?

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Verfügbarkeit der Produkte in den nächsten Jahren. Was passiert wenn in 10 oder 15 Jahren eine Komponente ersetzt werden muss oder eine Erweiterung beim Dachbodenausbau ansteht?

Gibt es dann noch die Aktoren und Sensoren zu kaufen? Kennt sich ein Elektriker oder Techniker noch damit aus und kann die Einrichtung vornehmen? Läuft ggf. notwendige Konfigurationssoftware noch auf zukünftigen Betriebssystemen?

Meine persönliche Empfehlung

Bevor sich für ein Funksystem entschieden wird sollte auch geprüft werden ob dieses nur von einem Hersteller verfügbar ist oder es ein Standard ist der herstellerübergreifend genutzt wird.

Bevorzugt würde ich immer zur Kabellösung greifen. Hier hat sich vor allem das KNX System etabliert, welches seit über 20 Jahren verfügbar ist und von über 300 Herstellern kompatible Aktoren und Sensoren verfügbar sind. Weitere Systeme sind z.B. Eltako 14 oder das Homematic System.